Auswilderung in Holland

Auswilderung in Holland

Alle Seehunde waren mit einer starken Lungenwurminfektion in der Station gebracht worden. Jährlich erkranken immer mehr Robben unter einem Jahr an dieser Parasiteninfektion, die unbehandelt zum Tod der Tiere führt.
Die verschiedenen Lungenwurmarten (Dirofilaria) verursachen Blutungen in den Atemwegen, Lungen-und Allgemeininfektionen durch das sowieso schon geschwächte Immunsystem und viele verschiedene Folgeerkrankungen. Das ist nicht nur aus tiermedizinischer Sicht sehr bedrohlich, meint Tierärztin Janine Bahr, die immer wieder in Pieterburen aushilft, gerade in Zeiten wie diesen, wenn so viele Robben in der Station sind.
Auch an den schleswig-holsteinischen Küsten (auch auf Föhr und Amrum) werden vermehrt diese kranken Tiere angespült. Und selbst im Robbenzentrum selber wurden diese Seehunde schon erstversorgt und stabilisiert.

Biologen in ganz Europa suchen Erklärungen für die erschreckende Ausbreitung dieser „Epidemie“. Als mögliche Gründe werden die Erderwärmung, die Überfischung der Nordsee oder auch die Verschmutzung der Meere genannt, die das Immunsystem der Tiere extrem belasten und schwächen. Was von all dem nun im Endeffekt die Ursache ist oder alles Zusammen den Einfluss ausmacht, sicher ist doch, dass der Mensch und seine Lebensweise diese Tiere in diese Lage gebracht und deren Lebensraum soweit verändert hat.

Daher ist die Behauptung, der Bestand der Seehunde in der Nordsee hätte sich gut erholt nicht aufrecht zu halten. Denn vor Englands Küsten gehen die Seehundzahlen drastisch zurück. Und wie man in den letzten Jahren mit Sorge beobachtet werden fast 2/3 der Jungtiere oder mehr mit den Lungenwürmern infiziert.

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Veröffentlicht am 12.01.2012 in Archiv 2012

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