Es war eine Fahrt mit einer Gruppe vom Robbenzentrum zu den Seehundbänken, als ein Tourist ein Seil um den Hals eines der dort ruhenden Seehunde bemerkte und Janine Bahr auf den „Grund“ dieses Seiles ansprach. Die genaue Betrachtung ließen für Tierärztin Janine Bahr keinen Zweifel daran, dass es sich bei diesem „Seil“ um einen Rest wie er in der Schifffahrt Verwendung findet handelte, der sich schon tief in die Haut des Seehundes eingeschnitten hatte . Janine Bahr hatte in der Zeehondencreche in Holland schon einige dieser Verletzungen gesehen.
Zurück auf der Insel alarmierte sie sofort die Wasserschutzpolizei und André van Gemmert von der holl. Zeehondencreché Lenie´t Hart von dem Vorfall. André  van Gemmert versprach zu helfen, das Tier von seinem Leiden zu erlösen, indem er sein schon bewährtes und international tätiges Team zur Rettung von Robben sobald als möglich senden wollte.
Es dauerte noch einige Telefonate und Absprachen bis es zum Rettungsversuch im Nationalpark Wattenmeer mit den Spezialisten der holl. Seehundaufzuchtstation Zeehondencreché Lenie´t Hart kommen konnte.
Wegen des über eine Woche andauernden schlechten Wetters musste der erste Anlauf immer wieder verschoben werden. Doch das Tier wurde in dieser Zeit von der Wasserschutzpolizei und J. Bahr so gut es ging weiter gut beobachtet, denn das Tier wechselte zeitweilig seinen Liegeplatz im Amrumtief.
Letzte Woche war es dann endlich soweit. Das holländische Team von der Zeehondencreche/ Lenie´t Hart mit André v. Gemmert, Hessel Wichmann und Juron – das europaweit zu solchen Einsätzen gerufen wird – erreichte die Insel und das Robbenzentrum Föhr mit samt der Seehundambulanz und speziell entwickeltem Equipment.
Und noch am selben Abend wurde die Rettungsaktion mit allen Beteiligten geplant.
Mit genauer Tidenberechnung wurde ein Schwimmer ca. 500 Meter vor der Bank vom Boot ausgesetzt und dieser musste sich in über einer Stunde an das Tier heran schwimmen. Dabei ist der Schwimmer/Taucher kaum in der Überwassersilouhette von einem Seehund zu unterscheiden, so André van Gemmert, Robbenexperte NL.
Auch wenn trotz zweier Anläufe das Tier noch nicht auf der Sandbank von seiner Last befreit werden konnte, so kam der Spezialtaucher doch mehrere Male so nah im Wasser an das Tier heran, um seine Zustand aus nächster Nähe zu beurteilen.
Noch ist die körperliche Konstitution der Robbe gut, doch das Seil hat sich schon tief in die Nackenhaut eingeschnitten. Außerdem hält sich das Tier noch in der Gruppe auf und hat sich noch nicht von dieser abgesetzt.
Auch wenn man den Seehund gerne in dieser noch guten Kondition gefangen und tiermedizinisch versorgt hätte, so weiß das Team nun genau, wie schwerwiegend die Verletzung und wie der Zustand des Tieres ist. Dies sind wichtige Informationen, um einen erneuten Rettungsversuch in einiger Zeit nach weiterer genauester Beobachtung durchzuführen.
Bedenklich hingegen ist die Feststellung, so das gesamte Team, das mindestens 5 Tiere in der näheren Umgebung entdeckt wurden, die sowohl krank als auch viel zu klein für diese Jahreszeit waren/ sind.

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Veröffentlicht am 02.11.2010 in Archiv 2010

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