Retung von Seehund Leopold

Rettung von Seehund Leopold

Seehund aus „Netzfalle“ gerettet
-Nach schwieriger Rettungsaktion gab es ein Happy End für Seehund „Leopold“-

Föhr/ 01.09.2014 Ein dringender Notruf erreichte die Mitarbeiter des Robbenzentrums auf der nordfriesischen Insel Föhr. Touristen meldeten einen verletzten Seehund, der sich weit draußen im Watt in einem abgerissenen Fischernetz verfangen hatte.

„Die kleine Robbe konnte sich kaum noch bewegen“, berichtet Finder Axel Wiehler. Direkt nach Eingang des Notrufs entscheiden André van Gemmert und Tierärztin Janine Bahr vom Robbenzentrum Föhr, sich so schnell wie möglich ein Bild von der Lage zu machen. Sobald es die Tide erlaubte gingen sie zur beschriebenen Stelle ins Watt.

„Um sich nicht selber in Gefahr zu begeben, muss man die Gezeiten genau im Auge behalten und ca. zwei Stunden vor Niedrigwasser ins Watt hinausgehen“, so André van Gemmert, der schon viele solcher Einsätze miterlebt hat.

Nach über einer Stunde Marsch erreicht Janine Bahr dann die beschriebene Stelle und findet gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen Sina und Lilly das geschwächte Tier recht schnell an einer von einem tiefen Priel umgebenen Sandbank. Nur mit einiger Eile und einem Schwimmeinsatz durch den tiefen Priel konnte die Tierärztin den Seehund erreichen und bergen. Erst dann war es möglich, das Tier aus seiner misslichen Lage zu befreien und das aus Kunststoff bestehende Netz aus den tief ins Fleisch eingeschnittenen Wunden herauszuschneiden. Nach der Wundversorgung und entsprechender Gabe von Elektrolytflüssigkeit wurde der kleine Seehund wieder munter und wehrhaft. Nach eingehender Untersuchung wurde der kleine „Leopold“ – so haben die Finder die Robbe benannt – dann wieder ins Wasser zu seiner Gruppe entlassen.

„Im Salzwasser heilen solche Wunden recht schnell“, berichtet Bahr. „Jedoch ohne die Aufmerksamkeit der Touristen und den beherzten Rettungseinsatz wäre das Tier langsam und jämmerlich gestorben.“ Für die an der Rettungsaktion beteiligten Personen war es ein tolles Gefühl zu sehen, dass sich die kleine Robbe schnell wieder in ihre Gruppe integrierte und mit ihr wegschwamm. „Immer wieder geraten Meeressäuger in unachtsam weggeworfene, abgerissene oder abgeschnittene Netze – so genannte Geisternetze -“, kommentiert André van Gemmert diesen Vorfall.

Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer müsste der Schutz der Robben im Allgemeinen viel mehr und besser überwacht und kontrolliert werden, da sind sich die beiden Robbenzentrumsbetreiber einig. Immer wieder erhalten sie Meldungen von Touristen, dass Ausflugsboote zu nah an die Robbenbänke heranfahren und die Tiere dadurch ins Wasser flüchten. Das ist gerade in der Wurfzeit der Seehunde im Frühsommer für viele Neugeborene Tiere ein Todesurteil, wenn sie durch unvernünftige Bootsführer oder durch andere vom Menschen verursachte Störungen von ihren Müttern getrennt werden. Auch bei dieser Rettungsaktion beobachtete das Team des Robbenzentrums eine Gruppe von ca. 70 Personen samt mehreren Hunden an der Kante der Seehundbank. Die Gruppe wurde geführt von einem Wattführer. Angeblich hatte dieser laut eigener Aussage das verletzte Tier schon zwei Tage zuvor entdeckt, aber unverständlicherweise nicht gemeldet.

Die Betreiber des Robbenzentrums befürchten, dass viele der in diesem Jahr im Robbenzentrum eingelieferten Seehunde durch menschlichen Einfluss in diese Notlage kamen. Neben der Verschmutzung durch menschlichen Wohlstandsmüll, der Überdüngung sowie durch die andauernde Überfischung der Nordsee zeigt auch das Beispiel des im Netz verfangenen Seehundes wieder allzu deutlich, was der Mensch den Tieren und der Natur antut und dass der Nationalpark Wattenmeer ganz und gar nicht eine „unberührte Natur“ ist.

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Veröffentlicht am 05.09.2014 in Archiv 2014

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